20.01.2010

"Guck mal, was ein cooler Fisch" Allgemeine Zeitung


AQUARIANER Bunte Unterwasser-Vielfalt in der Gärtnerei Rehner / Börse offeriert Nachzuchten des Vereins
Von Heidi Sturm

BAD KREUZNACH. Faszinierende Einblicke in zauberhafte Unterwasserwelten vermittelte die Zierfischausstellung des Bad Kreuznacher Aquarianervereins in der Gärtnerei Rehner. Angegliedert an die 15 wunderschön gestalteten Schaubecken war eine Zierfisch- und Wasserpflanzenbörse mit ausschließlich vereinseigenen Nachzuchten in etwa 30 Becken. In mehr als 5.000 Litern Wasser tummelten sich über 60 Arten aus Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Absoluter "Star" unter den Zwerggarnelen, Zwergkrebsen, Buntbarschen, lebend gebärenden Exemplaren, Panzerwelsen oder Regenbogenfischen war ein "Arowana": Dieser "Silbergabelbart" aus der Gattung der echten Knochenfische, ein Süßwasserraubfisch aus dem Amazonas, lockte mit seiner silbrigen Farbe, der imponierenden Größe von etwa 80 Zentimetern und seinem scheinbar grimmigen Gesichtsausdruck vor allem die kleinen Zuschauer magisch an: "Guck mal, was für ein cooler Fisch", hieß es immer wieder von begeisterten Knirpsen, die staunend vor dem riesigen Becken standen. Weniger auffällig, aber nicht minder prächtig war der Beckengenosse: Der gemusterte, seltene Perlenrochen hatte sich nach dem Umsetzen ins Schaubecken ganz unspektakulär zu Boden sinken lassen, zweimal seine Flossen geschwungen -und war im Sand verschwunden. Ab und zu zeigte er sich aber für ein paar Sekunden in seiner ganzen Schönheit dann doch dem Publikum. Als Lautlosschwimmer ist dieser Süßwasserfisch ein perfekter Räuber: "Er schwimmt ohne Strömungsgeräusche über die Fische und saugt sie einfach ein", erläuterte Thomas Luft, zweiter Vorsitzender der Aquarianer, der auch von seinen eigenen prächtig blau und gelb gefärbten Buntbarschen aus dem afrikanischen Malawisee Interessantes berichten konnte: Hier wechseln die Männchen ihre Farbe schlagartig je nach Stimmungslage: in knalliger Imponierfärbung, wenn sie um ein Weibchen balzen oder einen Gegner einschüchtern wollen, oder eher blass, wenn sie unterdrückt werden. Bei diesen Maulbrütern baut das Männchen eine Kuhle im Sand und zittert ein vorbei schwimmendes Weibchen an. Wenn sie bereit ist, legt sie ein Ei in die Kuhle, dreht sich, nimmt das Ei ins Maul, legt das nächste Ei. Das Männchen macht die fortwährende Keiselbewegurig mit und präsentiert dabei dem Weibchen seine Schwanzflosse mit ihren Ei-Flecken. Das Weibchen schnappt danach und nimmt dabei das Sperma auf, so dass die Eier im Maul befruchtet werden. Die Jungen werden so lange im Maul gehütet, bis der Dottersack aufgebraucht ist. Zu diesen interessanten "tierischen" Informationen lieferten die Experten den Interessenten handfeste Tipps zur Pflege der Aquarienbewohner. "Bevor man ein Aquarium anlegt, sollte man sich ganz intensiv Wissen aneignen", betont Luft. Ganz wichtig sei etwa die Wasserqualität. Während man in Bad Kreuznach mit hartem Wasser und hohen ph-Wert praktisch aus dem Hahn das optimale Wasser für Buntbarsche hat, gibt es im Hunsrück das weiche Wasser für die empfindlichen Diskusfische, Wasser, das andere Züchter erst mühevoll aufbereiten müssen. Ein "Muss" sind auch saubere Hände - und zwar absolut spülmittelfrei: Schon kleinste Tröpfchen setzen die Kiemen und Schleimhäute der Fische zu und verursachen Atembeschwerden. Inständig warnt Luft Anfänger vor einfachen Komplett-Sets: "Es gibt keine Instant-Technik oder All-round-Aquarien", unter streicht er, dass eine individu elle Einrichtung zwingend er forderlich ist. Schon gar nicht dürfen mit einem Aquarium gleich die Fische mit gekauft werden. Das fertig eingerichtete Becken muss nämlich zunächst ohne Fische "gefüttert" werden, da-mit sich die Filterbakterien bil-den können, die die organischen Abfälle in nichtgiftige Stoffe abbauen. Zu früh eingesetzte Fische würden unweigerlich am zwischenzeitlich gebildeten Ammoniak eingehen. Aus diesem Grund darf auch nie ein kompletter Wasserwechsel vorgenommen werden. Für die Bestückung der Börse hatten die Züchter deshalb mindestens die Hälfte des bereits benutzten Aquarienwassers - einige Tausend Liter - von zu Hause mitgebracht